| Pressemeldung | Nr. 175

Gespräch zwischen Bischöfen und Vertretern der deutschsprachigen Theologie

„Wertschätzung und gegenseitiges Vertrauen“

Zum 58. Mal hat gestern (26. Oktober 2020) der Austausch von Mitgliedern der Deutschen, der Österreichischen und der Schweizer Bischofskonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschsprachigen Theologie stattgefunden, coronabedingt diesmal als Videokonferenz. Das sogenannte „Limburger Gespräch“ stellte inhaltliche, strukturelle und personelle Fragen des Miteinanders von katholischer Kirche, kirchlicher Leitung und katholischer Theologie in den Mittelpunkt.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, betonte, dass diese Form der regelmäßigen Gespräche „nicht nur Orte des theologischen und hochschulpolitischen Austausches sind. Sie sind auch Orte der zwischenmenschlichen Begegnung, geprägt von einer Kultur des Miteinanders, getragen von Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen.“

Ein wesentlicher Diskussionspunkt war der Prozess zur Qualitätssicherung der Priesterausbildung in Deutschland und dessen mögliche Konsequenzen für die wissenschaftliche Theologie und die theologischen Ausbildungsstandorte. Bischof Dr. Michael Gerber (Fulda) stellte die Kriterien der zukünftigen Priesterausbildung vor, die der Ständige Rat im Juni 2020 erörtert hatte. Eine Konzentration der Priesterausbildung auf einige Standorte sei angesichts der rückläufigen Zahlen der Kandidaten unumgänglich. „Die Priesterausbildung hat auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren und muss so gestaltet werden“, so Bischof Gerber weiter, „dass die Kandidaten auch künftig Erfahrungen machen können, die sie menschlich und spirituell reifen lassen“.

Nachdem Prof. Dr. Bernhard Emunds (Frankfurt) die Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Theologie dargestellt hatte, legte Prof. Dr. Georg Essen (Berlin) in seinem Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der theologischen Fakultäten dar, dass die Theologie über die Ausbildung von Priestern, pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder von Religionslehrkräften hinaus von vitaler Bedeutung für die Kirche sei. Er gab zu bedenken, dass „in Deutschland der zentrale Ort der wissenschaftlichen und theologischen Selbstreflexion der Kirche Fakultäten sind, die in staatlichen Hochschulen in Forschung und Lehre interdisziplinär fest verankert sind“. Vor diesem Hintergrund sei die Bindung des Fakultätsstatus an die Priesterausbildung nicht mehr zeitgemäß. Als Herausforderung für die theologischen Ausbildungsstandorte sieht Prof. Dr. Essen auch zehn Jahre nach den „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“ weiterhin die erfolgreiche Erarbeitung und Umsetzung von nachhaltigen Zukunftskonzepten im Lichte gemeinsam entwickelter Qualitäts- und Gütekriterien.

In der Diskussion wurde noch einmal die Bedeutung der wissenschaftlichen Theologie jenseits der Priesterausbildung hervorgehoben. Entscheidungen in der Frage um die Standortkonzentration angesichts ihrer weitreichenden Konsequenzen müssten auch künftig wohl überlegt und diskutiert sein. Folglich ist beabsichtigt, kontinuierlich über den begonnenen Prozess im Gespräch zu bleiben. Dabei sollen die Katholisch-Theologischen Fakultäten ausdrücklich in den Diskurs um die Zukunft der Priesterausbildung miteinbezogen werden.

Am „Limburger Gespräch“ als Videokonferenz nahmen neben der Vorsitzenden des Katholisch-Theologischen Fakultätentages, Prof. Dr. Johanna Rahner (Tübingen), die Sprecher der verschiedenen theologischen Disziplinen unter Moderation von Prof. Dr. Gerd Häfner (München) teil. Neben den 25 Professorinnen und Professoren, Bischof Bätzing und Bischof Gerber waren beim „Limburger Gespräch“ auch der Vorsitzende der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), der stellvertretende Vorsitzende der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Dr. Christoph Hegge (Münster), sowie Erzbischof Dr. Franz Lackner OFM (Salzburg), Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, und Bischof Dr. Felix Gmür (Basel), Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, dabei.