Grußwort von Erzbischof Zollitsch beim Partnerschaftsseminar in Lima

Grußwort des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, beim Partnerschaftsseminar in Lima am 3. Dezember 2011:

 

Sehr geehrte Herren Erzbischöfe und Bischöfe, werte Mitbrüder,
liebe so zahlreich versammelte Partnerschaftsfamilie,
Schwestern und Brüder in der Gemeinschaft des Glaubens!

Wenn ich aus meinen früheren Reisen in Ihr schönes Land Peru einen Eindruck mitgenommen habe, der sich auch heute in faszinierender Weise bestätigt, dann ist es der: die Partnerschaft lebt, und sie lebt von der Begeisterung jeder und jedes Einzelnen. Dazu kommt, dass Sie nicht nur elegant improvisieren, sondern meisterhaft organisieren können. Und deswegen gilt mein respektvoller Dank all jenen, die dieses Partnerschaftsseminar aus Anlass unseres 25-jährigen Jubiläums vorbereitet und zur glänzenden Durchführung gebracht haben. Das hat einen kräftigen Applaus (aplauso muy fuerte) verdient!

Die Verbindung zwischen Peru und Freiburg ist, das wissen Sie so gut wie ich, fast 50 Jahre alt. Seit 1963 unterstützen Gläubige zwischen Bodensee, Kurpfalz und Frankenland junge Peruaner, die Priester werden wollen. Aber das reichte bald nicht mehr: Vor über 25 Jahren war es dann der Arbeitskreis „Entwicklung und Frieden“ des Freiburger Diözesanrates, und dann vor allem Domkapitular Wolfgang Zwingmann, der sich dafür einsetzte, die Beziehung zu intensivieren. Wolfgang Zwingmann fasste es in die wegweisenden Worte: „Auf beiden Seiten ist aber in den vergangenen Jahren immer mehr die Notwendigkeit empfunden worden, die begonnenen Beziehungen zu intensivieren, um von einem sehr lückenhaften Wissen um den anderen zu einer wirklichen Begegnung mit ihm und von einer einseitigen finanziellen Zuwendung zu einem wechselseitigen Austausch zu kommen. Dieser Einsicht liegt die Überzeugung zugrunde, dass nicht nur jeder einzelne, sondern auch jedes Volk seine besonderen Gaben und Talente empfangen hat und dass diese dazu gegeben sind, dass sie für alle zu einer Bereicherung werden.“ [Im Februar 1985 schickte Erzbischof Oskar Saier diese Überlegungen an Kardinal Landázuri Ricketts: „En los ultimos anos ambas partes han ido sientiendo la necesidad de hacer más personal esta relación para pasar de un conocimiento mínimo del otro a un verdadero encuentro con él y de una ayuda económica de una sola de las partes a unverdadero intercambio.“ ] Heute wissen wir, was aus diesen Überlegungen geworden ist, ja, wir dürfen dankbar wahrnehmen, dass die Intensivierung der Beziehungen, die wirkliche Begegnung und der wechselseitige Austausch auf so vielen Ebenen stattfinden! In den 25 Jahren Partnerschaft ist viel gewachsen. Kardinal Landázuri Ricketts nannte die Partnerschaft „ein Geschenk der göttlichen Vorsehung“. Und er hat darauf hingewiesen, dass in unserem „pacto de hermandad“ unsere Gotteskindschaft in ganz besonderer Weise erfahrbar wird – hier treffen sich Schwestern und Brüder über Grenzen hinweg und erfahren: wir sind Geschwister in der Gemeinschaft des Glaubens!

„Partnerschaft“, dieses für die peruanische Zunge nicht ganz leicht auszusprechende Wort, kommt aus dem Lateinischen und hat etwas mit „pars – Teil“ zu tun. Wir alle sind Teil und tragen bei zu dem, was die Heilige Schrift „die Fülle des Christusereignisses“ nennt. Jede und jeder ist wichtig. Im Volk Gottes gibt es zwar verschiedene Verantwortungen, aber letztlich die eine Berufung und Würde, die uns von Gott geschenkt ist. An uns freilich liegt es, dieses Feuer und dieses Licht in die Welt zu tragen. Und so darf ich Sie alle an eines der ersten Leitworte erinnern, das im Jahr 1993 formuliert wurde: „Durch unser Zeugnis verkündigen wir die Nähe des Reiches Gottes – por nuestro testimonio anunciaremos el Reino del Señor!“

Was sich in den zurückliegenden 25 Jahren in den verschiedensten Partnerschaftsverbindungen zwischen Pfarreien in Peru und der Erzdiözese Freiburg ereignet hat, würde inzwischen ein großes Archiv füllen. Auf zahlreichen Wegen haben Sie die Gemeinschaft gepflegt; zuerst waren es die Briefe, dann kamen Faxnachrichten dazu, Tonkassetten und Videobänder. Und heute ist die E-Mail (correo electrónico) nicht mehr wegzudenken aus unserer Kommunikation; Skype-Telefonate und Video-Konferenzen kommen dazu. Alle Mittel und Möglichkeiten der modernen Kommunikation schöpfen wir aus, um zusammen zu bleiben und unsere Gemeinschaft zu vertiefen. Dabei sind wir im Glauben an Gott und im Gebet füreinander zutiefst verbunden. Die kostbarste Form der Begegnung ist der gegenseitige Besuch. Wir lernen einander ganz persönlich kennen, entdecken die Welt des anderen, überwinden Vorurteile und inspirieren uns im gemeinsamen Lernen. „Als Geschwister gemeinsam lernen, um die Zeichen der Zeit zu deuten“: das aktuelle Leitwort unseres Jubiläumsjahres beschreibt die Wahrheit und Wirklichkeit unserer Partnerschaft, aber es formuliert auch den Auftrag, den wir als Christen in dieser Welt haben. Was es heißt, die „Zeichen der Zeit zu deuten“, hat uns Jesus gelehrt. Wachsam zu sein für die Hinweise Gottes, ein waches Herz zu haben, um die Not der Welt zu sehen; erfinderisch zu sein auf den Wegen des Friedens und der Versöhnung, voller selbstlosen Einsatzes für Gerechtigkeit und Frieden. So heißt es ja in einem Ihrer Glaubenslieder: „Schenke uns ein Herz, das groß ist in der Liebe und tapfer im Einsatz – danos un corazón, grande para amar, danos un corazón, fuerte para luchar!“

Auf diesem Weg wollen wir auch in Zukunft weitergehen, und ich bete darum, dass Gott uns die Wege zeigt und Orientierung gibt in seinem Wort und in seinen Sakramenten. Wir wollen juntos como hermanos unseren Weg als verbundene Ortskirchen miteinander gehen. Dabei weiß ich, dass es oft die Peruaner sind, die denken, sie stünden etwas hintenan. Dabei empfangen wir so viel von Ihnen, liebe Schwestern und Brüder! Und an einem Beispiel zeigt sich deutlich, dass Peru schneller war als Freiburg: Hierher kam schon 1985 ein Papst zu Besuch! Es ist eine nette Anekdote der Geschichte unserer Partnerschaft: Als Anfang der 80 er Jahre der Gedanke der Partnerschaft aufkam, schrieb mein Vorgänger im Amt des Erzbischofs, Oskar Saier, im Dezember 1984 an Kardinal Landázuri Ricketts und stellte die Idee vor, mit der Bitte, sie doch einmal in der Bischofskonferenz zu besprechen. Und er schrieb: „Wir wissen, dass in den ersten Monaten des kommenden Jahres der Papst Ihr Land besuchen wird. Wenn Sie gerne unsere Idee weiterverfolgen möchten, können wir das selbstverständlich nach diesem wirklich historischen Datum tun.“ Heute, 25 Jahre später, wissen wir, wie es Ihnen damals ging. Hier – in der Familie – darf ich es ja sagen: der Satz „Das machen wir ‚nach dem Papst‘“ ist in diesem Sommer bei uns in Freiburg zum geflügelten Wort geworden. Wir haben uns sehr angestrengt, aber wir sind noch mehr beschenkt worden: Der Besuch des Heiligen Vaters war ein Fest des Glaubens in Freiburg und weit darüber hinaus.

Sein Besuch stand unter dem Leitwort „Wo Gott ist, da ist Zukunft“. In der Vigilfeier am Samstagabend, dem 24. September, war dies fast mit Händen zu greifen. Der Papst hatte die Jugendlichen zum Gebet und zur Begegnung eingeladen, und Zehntausende sind gekommen, um mit ihm zusammen zu sein. Wir haben auf große Heilige geschaut, die uns Vorbilder im Glauben sind, allen voran Maria, die Mutter unseres Herrn. Der Papst hat Schalen mit Feuer entzündet, das sich dann in Form zahlloser Kerzen ausgebreitet hat: ein Lichtermeer der österlichen Freude und eine in tiefer Andacht verbundene Gemeinschaft von Glaube, Hoffnung und Liebe. Und als der Papst den Jugendlichen davon erzählte, dass die Grenzen und Misserfolge und auch die Schuld zu unserem menschlichen Leben gehören und gehören dürfen, dass aber die Gnade und das Licht des Herrn uns immer wieder aufrichten, da hatten viele junge Menschen Tränen in den Augen, weil sie sich so gut verstanden und ermutigt fühlten.

Auch wir, liebe Schwestern und Brüder, feiern in dieser Stunde eine Vigil, die Vigil vor dem zweiten Adventssonntag. Vor einer Woche konnte ich von Brasilien aus die diesjährige Weihnachtsaktion unseres deutschen Hilfswerkes für Lateinamerika, Adveniat, eröffnen. Mit ganzem Herzen bekräftige ich hier, was „Adveniat“ heißt: „Dein Reich komme!“ So beten wir es in jedem Vater unser. Und heute bitten wir in der großen Partnerschaftsfamilie darum, dass auch unser Einsatz dazu beiträgt, dass Gottes Reich

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